Mittwoch, 9. September 2026

Geliebter Hund

 


Du bist fort, geliebter Hund,

Begleiter in jeder Sekunde,

ewig liebender, ewig treuer, ewig vermisster

Freund in jeder Lebenslage.

Wie habe ich um dich geweint,

die Tränen wollten nicht enden,

und doch muss ich weitergehen

ohne dich.


Mein Herz ist mir zerbrochen,

ich hab' es Gott hingeworfen

mit Wut und Klagen und dem fragenden WARUM.

Es fällt mir schwer, es zu begreifen,

du fehlst und fehlst und fehlst und fehlst,

doch nichts bringt dich mir zurück,

ich quäle mich durch diese verdammte Welt

ohne dich.


Ich gehe durch die stillen Räume,

die ich nicht ertragen kann und will,

meine Gefühle tigern im Käfig eines betrübten Geistes

auf und ab und hin und her,

wollen die vertraute schöne Zeit zurück,

wollen nicht glauben, dass alles vorbei ist,

dass die Sonne auf- und untergeht

ohne dich.


Die Tür wurde mit Wucht zugeschlagen,

und nun soll sich eine neue öffnen,

sagen schlaue Köpfe, und dahinter seien neue Chancen,

ein neuer Weg und ein Licht am Ende.

Die Vergangenheit entfernt sich schnell,

ich will sie halten, will sie fesseln,

aber sie fließt mit dem Fluss der Zeit davon

mit dir.


Die Gegenwart klopft immer öfter an,

der Atem tut sein heilendes Werk,

Emotionen werden zu Wolken am Himmel des Bewusstseins,

die auftauchen und weiterziehen

im Wechsel mit Sonne, Regen und Sturm,

als trüge ich das Universum in mir,

als wolle es mich das Loslassen lehren

von dir.


Die Traurigkeit tut nicht mehr so weh,

sie reicht mir die Hand wie ein Freund,

wir reden über dich und lachen und weinen und trennen uns,

wenn das Schwere leicht geworden ist

und begriffen wurde, dass nichts bleibt,

dass alles vergänglich ist,

auch du

und ich.


Geliebter Hund, was von dir bleibt

ist Liebe und nochmal Liebe,

wie ich sie nie zuvor gekannt habe, so tief und rein und ehrlich.

Wir hatten nicht viel Zeit,

und doch muss es gereicht haben,

und doch hat es mich reich gemacht,

hat mir gezeigt, was wirklich zählt.

Ich liebe dich 

ewiglich.



@ Bettina Lichter

Dienstag, 9. Dezember 2025

Denk es, o Seele


 

Ein Tännlein grünet wo,

wer weiß, im Walde;

Ein Rosenstrauch, wer sagt,

in welchem Garten?

Sie sind erlesen schon,

denk es, o Seele,

auf deinem Grab zu wurzeln

und zu wachsen.


Zwei schwarze Rösslein weiden

auf der Wiese,

sie kehren heim zur Stadt

in muntern Sprüngen.

Sie werden schrittweis' gehn

mit deiner Leiche;

Vielleicht, vielleicht noch eh'

an ihren Hufen

das Eisen los wird,

das ich blitzen sehe!



(c) Eduard Mörike (1804-1875)

Sonntag, 16. November 2025

Seit unser Kindlein schlafen ging ...


 


Seit unser Kindlein schlafen ging,

ist stiller Schmerz in unserm Haus,

der presst uns manchmal Tränen aus ---

Es ist ein Schmerz in unserm Haus,

weil unser Kindlein schlafen ging.


Seit unser Kindlein schlafen ging,

ist uns die Erde wen'ger wert,

schal alles, was sie uns beschert ---

Die Erde ist uns wen'ger wert, 

weil unser Kindlein schlafen ging.


Seit unser Kindlein schlafen ging,

ist näher uns die Ewigkeit;

willkommen uns das Flieh'n der Zeit ---

Es ist uns nah die Ewigkeit,

weil unser Kindlein schlafen ging.


Seit unser Kindlein schlafen ging,

durchzieht ein Heimweh unsre Brust,

das heilt nicht mehr, bis wir mit Lust

einst drücken dürfen an die Brust

das Kindlein, das schon schlafen ging.



(c) Karl Eisele, ca. 1900

Wegweiser


 

Was vermeid' ich denn die Wege,

wo die andern Wandrer geh'n,

suche mir versteckte Stege

durch verschneite Felsenhöh'n?


Habe ja doch nichts begangen,

dass ich Menschen sollte scheu'n -

welch ein törichtes Verlangen

treibt mich in die Wüstenei'n?


Weiser stehen auf den Straßen,

weisen auf die Städte zu,

und ich wandre sonder Maßen

ohne Ruh', und suche Ruh'.


Einen Weiser seh' ich stehen

unverrückt vor meinem Blick;

eine Straße muss ich gehen,

die noch keiner ging zurück ...



(c) Wilhem Müller (1794-1827)

Was war ich?


 


War ich ein Falter vor meiner Geburt,

ein Baum oder ein Stern?

Ich habe es vergessen.

Aber ich weiß, dass ich war

und sein werde.

Augenblicke

der Ewigkeit ...



(c) Rose Ausländer (1901-1988)

Donnerstag, 13. November 2025

Weil alles erneut sich begibt

 



Aus dem Dunkel, das lind dich umschließt,

aus dem Nass, das dich nährend umfließt,

mach dich auf, tritt hinaus aus dem Schoß.

Denn das Licht ist so süß und so groß.


Wenn die Wölbung des Schlafes zerbricht,

tritt hinaus in das östliche Licht,

in den Tau, der die Sohlen dir kühlt,

in die Luft, die so blau dich umspült.


Und du fühlst, wie der Atem beglückt.

Die Wiese ist rötlich geschmückt.

Und ein silberner Mittag beglänzt

den Hang, der mit Reife sich kränzt.


Doch bevor noch ein Strahl dich versengt,

hat kühl sich der Schatten verlängt,

und grünlich verfärbt sich der West,

da der Tag seine Gäste entlässt.


Was dich schreckte und scheuchte, vergiss.

Denn die Erde ist treu und gewiss.

Und du weißt dich vom Dunkel geliebt,

weil alles erneut sich begibt.


Und so trittst du vertrauend hinein

in die Nacht, in den Tod, in den Stein,

in den Sand, in den Schiefer, den Ton,

in den Wein, in das Öl, in den Mohn.



(c) Werner Bergengruen (1892-1964)

Dienstag, 11. November 2025

ein und derselbe


 

Darin besteht das Wesen der Tugend,

dass du in Freuden und Leiden

ein und derselbe Mensch bist.



(c) Thomas A. Kempis (1380-1471)

Montag, 10. November 2025

Das Lied des Lebens


 

Flüchtiger als Wind und Welle

flieht die Zeit, was hält sie auf?

Sie genießen auf der Stelle,

sie ergreifen schnell im Lauf:

Das, ihr Brüder, hält ihr Schweben,

hält die Flucht der Tage ein,

schneller Gang ist unser Leben,

lasst uns Rosen auf ihn streu'n!


Rosen, denn die Tage sinken

in des Winters Nebelmeer;

Rosen, denn sie blüh'n und blinken

links und rechts noch um uns her.

Rosen steh'n auf jedem Zweige

jeder schönen Jugendtat.

Wohl ihm, der bis auf die Neige

rein gelebt sein Leben hat.


Tage, werdet uns zum Kranze,

der des Greises Schlaf umzieht

und um sie in frischem Glanze

wie ein Traum der Jugend blüht.

Auch die dunkeln Blumen kühlen

uns mit Ruhe, doppelt süß;

und die lauen Lüfte spielen

freundlich uns ins Paradies.



(c) Johann Gottfried Herder (1744-1803)

Die Zeit ist hin


 

Die Zeit ist hin, du löst dich unbewusst

und leise mehr und mehr von meiner Brust;

ich suche dich mit sanftem Druck zu fassen,

doch fühl' ich wohl, ich muss dich gehen lassen.

Hier steh' ich nun und schaue bang zurück;

vorüber rinnt auch dieser Augenblick,

und wieviel Stunden dir und mir gegeben,

wir werden keine mehr zusammen leben.



(c) Theodor Storm (1817-1888)

Sonntag, 9. November 2025

Die Kapelle


 

Droben stehet die Kapelle,

schauet still ins Tal hinab,

drunten singt bei Wies' und Quelle

froh und hell der Hirtenknab'.


Traurig tönt das Glöcklein nieder,

schauerlich der Leichenchor;

stille sind die frohen Lieder,

und der Knabe lauscht empor.


Droben bringt man sie zu Grabe,

die sich freuten in dem Tal.

Hirtenknabe, Hirtenknabe,

dir auch singt man dort einmal.



(c) Ludwig Uhland (1787-1862)

Über deinem Grabe ...

 




Blüten schweben über deinem Grabe.
Schnell umarmte dich der Tod, o Knabe.
Den wir alle liebten, die dich kannten,
dessen Augen wie zwei Sonnen brannten,
dessen Blicke Seelen unterjochten,
dessen Pulse stark und feurig pochten,
dessen Worte schon die Herzen lenkten,
den wir weinend gestern hier versenkten.

Maiennacht. Der Sterne mildes Schweigen .....
Dort! Ich seh' es aus der Erde steigen!
Unterm Rasen quillt hervor es leise,
Flatterflammen drehen sich im Kreise,
ungelebtes Leben zuckt und lodert
aus der Körperkraft, die hier vermodert,
abgemähter Jugend letztes Walten
letzte Glut verraucht in Wunschgestalten.

Kränze, wenn du lebtest, dir beschieden ...

Knabe, schlaf' in Frieden!


(c) Konrad Ferdinand Meyer (1825-1898)

In jeder Stunde ...


 


Ein Engel ist ohne Namen.

Aber in jeder Stunde kann es sein,

dass er deinen Namen trägt.



(c) Albrecht Goes (1908-2000)

Samstag, 8. November 2025

Drei Worte


 


Ich kann in drei Worten zusammenfassen, 

was ich über das Leben gelernt habe:


ES  GEHT  WEITER.



(c) Robert Frost (1874-1963)

Freitag, 7. November 2025

Ich werd' dich immer lieben


 

Ganz dicht vor mir ein blüh'nder Heidestrauß,

darunter lehnt dein Bild in schlichtem Rahmen.

Es flüstern meine Lippen deinen Namen,

der mir zum Beten wird tagein, tagaus.


Vielleicht, dass mitternächtens um dein Haus

die Worte weh'n, die meinem Mund entkamen,

wenn wir uns fester bei den Händen nahmen

und heimlich schritten in die Nacht hinaus ...


Ich .... hab' .... dich .... lieb .... Ich werd' dich immer lieben,

wenn auch des Lebens Spiel uns nicht vereint,

und meine Rufe in ein Nichts zerstieben ...


Das ist mir Trost in schmerzzerwühlten Stunden,

dass uns der Seelen tiefstes Lieben eint,

und wir zum Seelenglück den Weg gefunden ...



(c) Wilhelm Ludwig (ca. um 1900)

Für immer dein ...


 

Der Nebel stieg am frischen Morgen

aus herbstlich bunten Feldern auf.

Noch hielt der neue Tag verborgen

den ungeahnten Schicksalslauf.


Im blutrot schimmernden Gewande

betrat die Sonne ihren Thron,

und war die Schönste nun im Lande,

sich selbst genug und höchster Lohn.


So friedlich gab die junge Stunde

sich schöpferisch dem Auge preis,

und trug doch schon des Abschieds Wunde

in ihrem zarten Lebenskreis.


Dass dies dein letzter Morgen würde,

ich ahnte nicht den schweren Schlag,

ich ahnte nichts von jener Bürde,

die schon bereit zum Tragen lag.


Wir wirbelten das Laub mit Füßen,

wir atmeten den Herbstduft ein,

mit dir den Herbsttag zu begrüßen,

nichts konnte wunderbarer sein.


Doch Stunden später sollt' ich schmecken

des Lebens ach so bittre Frucht.

Was jetzt Erinnerungen wecken,

schlüg' ich so gerne in die Flucht ...


Du fielst vor meinen Augen nieder,

ganz plötzlich, ohne Abschiedswort.

Und keine Macht der Welt gab wieder,

was Himmelsmächte trugen fort.


Ich wusst' nicht, was ich denken sollte.

Erstarrt, erfroren ward mein Herz.

Das eine, was nicht enden wollte,

war dieser unbändige Schmerz.


Er wurde milder mit den Jahren,

die Liebe tut ein gutes Werk.

Wie glücklich, unbeschwert wir waren,

nur diesem gilt mein Augenmerk.


Lädt heute mich des Herbstes Stunde

zu sich in ihre Mitte ein,

schleicht sich der Dank aus meinem Munde

für dich, für uns. Für immer dein ...



(c) Bettina Lichtner

Donnerstag, 6. November 2025

Schone mich, Tod



 

Mich aber schone, Tod.

Mir dampft noch Jugend blutstromrot, ---

noch hab' ich nicht mein Werk erfüllt,

noch ist die Zukunft dunstverhüllt ---

drum schone mich, Tod.


Wenn später einst, Tod,

mein Leben verlebt ist, verloht

ins Werk --- wenn das müde Herz sich neigt,

wenn die Welt mir schweigt, ---

dann trage mich fort, Tod.



(c) Gerrit Engelke (1890-1918)

Es ist in allen ...


 

Die Blätter fallen, fallen wie von weit,
als welkten in den Himmeln ferne Gärten;
sie fallen mit verneinender Gebärde.

Und in den Nächten fällt die schwere Erde
aus allen Sternen in die Einsamkeit.

Wir alle fallen. Diese Hand da fällt.
Und sieh dir andre an: es ist in allen.

Und doch ist einer, welcher dieses Fallen
unendlich sanft in seinen Händen hält.



(c) Rainer Maria Rilke (1875-1926)

Lass los ...


 

Wenn du spürst, dass einer geht,

sich aufmacht in die Ewigkeit,

dass ihm der Tod zur Seite steht

und hundert Englein zum Geleit,

will Gott von dir das eine bloß:

Lass los ...


Wenn sacht und leis' die Kraft gebricht,

die Kälte durch den Körper zieht,

allmählich auf dem Angesicht

erleuchtet hell des Himmels Licht,

will Gott von dir das eine bloß:

Lass los ...


Wenn müde schon die Lippen sind,

die Worte nur noch schwach gehaucht,

der letzte Augenblick beginnt,

das Jetzt ins Ewige nun taucht,

will Gott von dir das eine bloß:

Lass los ...


Wenn schon der Abschied greifbar nah,

ein Kuss, ein Händedruck nur bleibt 

in der Sekunde, die noch da,

und die das Wörtchen "Ende" schreibt,

will Gott von dir das eine bloß:

Lass los ...



(c) Bettina Lichtner

Mittwoch, 5. November 2025

Filmzitat





Immer wenn ein Glöckchen klingelt,

bekommt ein Engel seine Flügel.



(c) Filmzitat aus dem Film "Ist das Leben nicht schön?" (1946)

Dienstag, 4. November 2025

Ob sie wohl kommen wird?


 

Möchte wissen, wann ich bald

begraben werde sein,

und auf meinem Grabe steht

ein Kreuzchen oder Stein;


Und man vor Riedgras kaum

das Grab zu sehn vermag,

ob sie wohl kommen wird

am Allerseelentag?


Ob sie den feuchten Blick

wohl senket niederwärts,

ob sie bei sich nicht denkt:

Hier ruht ein treues Herz?


Ob sie um meinen Stein

ein kleines Kränzchen flicht,

ob sie für meine Ruh'

ein Vaterunser spricht?


Gewiss, sie wird wohl kommen,

zu beten bei dem Grab,

sie weiß, dass ich sonst keinen

für mich zum Beten hab'.



(c) Moritz Gottlieb Saphir (1795-1858)