Dienstag, 6. September 2022
Wohin?
Mittwoch, 31. August 2022
Die Linien des Lebens ...
Die Linien des Lebens sind verschieden,
wie Wege sind und wie der Berge Grenzen.
Was hier wir sind, kann dort ein Gott ergänzen
mit Harmonien und ewigem Lohn und Frieden.
© Friedrich Hölderlin (1770-1843)
Dienstag, 30. August 2022
Ich weine euch nach ...
Meine Seele nur erfüllet
tiefer namenloser Schmerz,
und der Liebe Trostwort stillet
nicht mehr mein tief bewegtes Herz.
Einsam hier zurück geblieben,
wein' ich den Verlor'nen nach.
Euch, Ihr Teuren, werd' ich lieben,
bis verstummt mein letztes Ach ...
Bis mich dort auf besserm Sterne
meiner Kinder Blick begrüßt.
Keine Trennung nah und ferne,
nur der Wonne Zähre fließt.
Bis mit zartem Engelflügel
sie geschmückt mein Auge sieht,
Blicke sich in Blicke spiegeln,
flüsternd tönt der Harfe Lied.
Wann erscheinst du, heil'ge Stunde?
Bleib, ach bleib nicht gar zu fern!
Zu der Tugend schönem Bunde
glänzet dann der Liebe Stern.
© Dieses lyrische Werk entstammte der Feder eines anonymen Verfassers, der über den Tod seiner Kinder klagte, welche am 3. Januar und am 10. Februar 1835 ins Himmelreich eingingen. Das handschriftliche Original befindet sich in meinem wohlbehüteten, persönlichen Besitz.
Höhere Räume
Die Blumen sehnen sich nach Tau
und die Saaten nach Regen;
mit Sehnsucht drängt die Erdenau
sich dem Himmel entgegen.
Die Sehnsucht nach dem Himmelslicht
treibt in die Höh' die Bäume;
dem Christen genügt die Erde nicht,
sein Herz sucht höhere Räume.
© Friedrich Rückert (1788-1866)
Auf dieser schönen Brücke
Lass nur die Wetter wogen!
Wohl übers dunkle Land
zieht einen Regenbogen
barmherzig Gottes Hand.
Auf dieser schönen Brücke,
wenn alles wüst und bleich,
gehn über Not und Glücke
wir in das Himmelreich.
© Joseph von Eichendorff (1788-1857)
Montag, 29. August 2022
Der Feind
Einen kenne ich,
wir lieben ihn nicht.
Einen nenne ich,
der die Schwerter zerbricht.
Weh! Sein Haupt steht in der Mitternacht,
sein Fuß in dem Staub,
vor ihm weht das Laub
zur dunklen Erde hernieder.
Ohne Erbarmen
in den Armen
trägt er die kindlich taumelnde Welt;
Tod, so heißt er,
und die Geister
beben vor ihm, dem schrecklichen Held.
© Clemens Brentano (1778-1842)





