Samstag, 4. Oktober 2025

Wehret der Traurigkeit


 

Friede sei mit den Vollendeten!

Ja, Herr, lass deinen Frieden walten über ihren Gräbern und lass sie Frieden finden bei dir und vor dir, der du ein Gott des Friedens bist. Nimm sie auf in dein Himmelreich und schenke ihnen nach mancher harten Arbeit, nach manchem schweren Kampf, nach manchem sauren Tritt, nach manchem drückenden Leiden die ewige Ruhe, himmlische Freude und Herrlichkeit, und vereinige sie mit den vorausgegangenen Lieben.


Friede sei auch mit Euch!

Der Herr bringt auch Euch, ihr Leidtragenden, diesen Gruß. Nehmt ihn an und auf! Es ist kein leeres Wort. Der Friedefürst hat und bringt den wahren Frieden. Wehret der Traurigkeit. Steigt heraus aus euren Kummerhöhlen. Fürchtet euch nicht. Es ist keine Strafe, keine Züchtigung für euch, dass das Liebste euch genommen ist. Ein Herz hat zwar ausgeschlagen, die Liebe aber folgt und umgibt euch auf Schritt und Tritt eures Lebens. 


Selig, selig sind die Toten,

die am Ende wohl bestehn,

und mit welchen Gottes Boten,

Engel selbst, zu Grabe gehn.



(c) Ludwig Ferdinand Barth (1873-1882)

Fort aus der Welt


 

Ich möchte heim. Mich zieht 's dem Vaterhause,

dem Vaterherzen zu.

Fort aus der Welt verworrenem Gebrause,

zur stillen, tiefen Ruh'.

Mit tausend Wünschen bin ich ausgegangen,

heim kehr' ich mit bescheidenem Verlangen,

noch hegt mein Herz nur einer Hoffnung Keim:

Ich möchte heim.



(c) Prof. Dr. Gotthard Rauch, seinerzeit Klosterpfarrer zu Roßleben, um 1913

Freitag, 3. Oktober 2025

Ewige Harmonie


 

Wenn ich einst tot bin,

wenn mein Gebein zu Staub ist eingesunken,

wenn du, mein Auge, nun bang über meines Lebens Schicksal

brechend im Tode ausgeweint hast,

dann wird der Tag sein, da werd' ich auferstehn.

Dann trennt kein Schicksal mehr die Seelen,

die du, Natur, einander bestimmt hast.

Dann wägt, die Wagschal' in der gehobenen Hand,

Gott Glück und Tugend gegeneinander gleich;

was in der Dinge Lauf jetzt misslang,

tönet in ewigen Harmonien. 



(c) Friedrich Gottlieb Klopstock (1724-1803)

Donnerstag, 2. Oktober 2025

Halt' mich ...


 


Halt' mich, wenn die Kniee beben.

Wenn ich sinke, sei mein Stab.

Wenn ich sterbe, sei mein Leben.

Wenn ich liege, hüt' mein Grab.

Wenn ich wieder aufersteh',

ei, so hilf mir, dass ich geh'

hin, wo du in ew'gen Freuden

wirst die Auserwählten weiden.



(c) Arthur Lehmann, einstmals Pfarrer in Goßmar

Fremde sind wir ...


 

Tötet euch mit Dämpfen und mit Messern,

schleudert Schrecken, hohe Heimatworte,

werft dahin um Erde euer Leben!

Die Geliebte ist euch nicht gegeben.

Alle Lande werden zu Gewässern,

unterm Fuß zerrinnen euch die Orte.


Mögen Städte aufwärts sich gestalten,

Niniveh, ein Gottestrotz von Steinen!

Ach, es ist ein Fluch in unserm Wallen . . .

Flüchtig muss vor uns das Feste fallen,

was wir halten, ist nicht mehr zu halten,

und am Ende bleibt uns nichts als Weinen.


Berge sind, und Flächen sind geduldig . . .

Staunen, wie wir auf und nieder weichen.

Fluß wird alles, wo wir eingezogen.

Wer zum Sein noch Mein sagt, ist betrogen.

Schuldvoll sind wir, und uns selber schuldig,

unser Teil ist: Schuld, sie zu begleichen!


Mütter leben, dass sie uns entschwinden.

Und das Haus ist, dass es uns zerfalle,

selige Blicke, dass sie uns entfliehen,

selbst der Schlag des Herzens ist geliehen!

Fremde sind wir auf der Erde alle,

und es stirbt, womit wir uns verbinden.



(c) Franz Wefel (1890-1945)

Mittwoch, 1. Oktober 2025

Wähle sorgfältig


 

Für den Verlust von Personen, die uns lieb waren,

gibt es keine Linderung als die Zeit und sorgfältig

und mit Vernunft gewählte Zerstreuung.



(c) Georg Christoph Lichtenberg (1742-1799)