Ein Tag, der sagt 's dem andern,
mein Leben sei ein Wandern
zur großen Ewigkeit.
O Ewigkeit, du schöne,
mein Herz an dich gewöhne,
mein Heim ist nicht von dieser Zeit.
© Gerhard Tersteegen (1697-1769)
Ein Tag, der sagt 's dem andern,
mein Leben sei ein Wandern
zur großen Ewigkeit.
O Ewigkeit, du schöne,
mein Herz an dich gewöhne,
mein Heim ist nicht von dieser Zeit.
© Gerhard Tersteegen (1697-1769)
Sahst du ein Glück vorübergehen,
das nie sich wiederfindet,
ist 's gut, in einen Strom zu sehen,
wo alles wogt und schwindet.
O, starre nur hinein, hinein!
Du wirst es leichter missen,
was dir, und sollt 's dein Liebstes sein,
vom Herzen ward gerissen.
Blick' unverwandt hinab zum Fluss,
bis deine Tränen fallen.
Und sieh durch ihren warmen Guss
die Flut hinunterwallen.
Hinträumend wird Vergessenheit
des Herzens Wunde schließen.
Die Seele sieht mit ihrem Leid
sich selbst vorüberfließen.
© Nikolaus Lenau (1802-1850)
Als unser Herrgott einst Blumen schuf,
stand jede da auf Seinen Ruf,
und alle in bestem Gewande kamen
und fragten, sich neigend, nach ihrem Namen.
Der Herr benannte die tausend Gestalten
und bat, die Namen wohl zu behalten.
Da kam so plötzlich ein Blümchen zurück,
und sagte mit einer Träne im Blick:
"Ich habe in dem großen Verein
vergessen, Herr, den Namen mein."
Der Herr, sich freundlich neigend, spricht:
Vergissmeinnicht.
Das Blümchen dachte der Rede nach,
zog sich zurück an den stillen Bach.
Sein blaues Auge, sein gelber Stern
beglücket jeden von nah und fern.
Wenn gute Menschen vorübergehen,
und dieses freundliche Blümchen sehen,
wenn stille Liebe es sinnend bricht,
aus ihm noch die liebliche Stimme spricht:
Vergissmeinnicht.
© aus "Almanach des k.k. Nationaltheaters Innsbruck für das Jahr 1858,
gewidmet von Johann Jakob Saller (Bibliothekar, Sekretär und Souffleur des o.g. Theaters)
Denn das Herz in meiner Brust
ist dem Kranich gleich geartet,
und mir ist das Land bewusst,
wo mein Frühling mich erwartet.
© Nikolaus Lenau (1802-1850)
Weine nicht, wenn aus dem stillen Vaterhaus
ein Freund in jene Welt zieht aus.
Du rufst als letzten Gruß beim Geh'n:
O Freund, o Freund, auf Wiederseh'n!
Weine nicht, wenn sanft ein liebes Auge bricht,
das Auge war die Seele nicht.
Wenn wir am Totenbette steh'n,
so sagen wir: Auf Wiederseh'n!
© Georg Reinbeck (1766-1849)
Noch eine kurze Zeit, dann ist 's gewonnen,
dann ist der ganze Streit in nichts zerronnen,
dann will ich laben mich an Lebensbächen
und ewig, ewiglich mit Jesus sprechen.
© Sören Kierkegaard (1813-1855)