Dienstag, 13. Oktober 2020

Gloria

 



Der Tod ist ein glorreiches Ereignis für den,

der zu Jesu geht.



(c) David Livingstone (1813-1873)

Nichts ist stärker als die Liebe


 

Die Liebe war ein zarter dünner Faden,

als unsere Herzen sich einst fanden.

Der Lauf der Zeit wob in diesen Faden

Lachen und Weinen,

laue Sommernächte und stürmische Herbstböen,

frühlingsleichtes Herzbeben und winterharte Fröste,

Talfahrten und Höhenflüge,

Leises und Lautes.

All das hielt der Faden aus

und wuchs zu einem starken Seil.

Dann schwang der Tod seine Sense

und suchte, das Seil zu trennen.

Doch es misslang ihm,

denn auf Erden hielt meine Hand das eine Ende fest,

und im Himmel hielt die deine das andere.

Immer und immer sind wir verbunden

durch dieses starke Seil der Liebe.

Die Energie zwischen uns

hört nicht auf zu sein.


(c) Bettina Lichtner



Samstag, 10. Oktober 2020

Wundersame Wandlung


 

Nun ist's soweit. Hinfort mit allen Fesseln!

Es sehnt die Seele sich nach Freiheit.

Der Tod schält mich aus dem Kokon.

Hinaus aus dem dunklen Verließ,

das Licht des Tunnels endlich erreicht.

Dem atemlosen Hamsterrad entsprungen,

empfängt mich die absolute Liebe!

Ich trinke von der himmlischen Freude,

sehe mich satt am Wolkenweiß und Sonnengold,

richte meine neue Wohnstatt auf Sternenstaub.

Wundersame Wandlung

einer Marionette zum Engel.

Auf dem Regenbogen sitzen

und auf graue Welten schauen.

Gestern noch einer von ihnen,

gezwängt in Zeit und Raum,

kämpfend in tosenden Fluten.

Könntet ihr sehen den ewigen Frieden,

ihr tauschtet eure Tränen

gegen Freude und Hoffnung.



(c) Bettina Lichtner


Follower des Todes


Endlich, endlich bist du da, mein Freund.

Nun findet alles seinen Frieden.

Es flieht der Schmerz aus kranken Gliedern,

die Zeit entfleucht den müden Knochen,

der Atem steht mir still.

Du ziehst die Kleider mir vom Leibe,

und nimmst mein Hab mir und mein Gut ---

das Angehäufte bleibt den Nächsten.

Erinnerung werd' ich nun werden,

werd' auf den Zungen weiterleben,

werd' weiter durch Gedanken reisen,

bei ihnen bleiben, bis sie mir folgen,

wie ich nun folge den Vermissten,

die vor mir deine Hand ergriffen.

Ein Folgen ist's und ein Verfolgen.

Wer könnt' sich dir entziehen?

Du klopfst und tust dir selber auf.

Ich bin nicht mehr, bin nun verschwunden,

und freudig tanzt die Seele

zu den Sternen ....


(c) Bettina Lichtner

 

Dienstag, 16. Juni 2020

Teile beides





Menge den Tod mit dem Leben,

und teile beides

in Augenblicke ...



(c) Marcel Schwob (1867-1905)

Dienstag, 9. Juni 2020

Solang du kannst ...



O lieb', solang du lieben kannst!
O lieb', solang du lieben magst!
Die Stunde kommt, die Stunde kommt,
wo du an Gräbern stehst und klagst!

Und sorge, daß dein Herze glüht
und Liebe hegt und Liebe trägt,
solang ihm noch ein ander Herz
in Liebe warm entgegenschlägt!

Und wer dir seine Brust erschließt,
o tu ihm, was du kannst, zulieb!
Und mach' ihm jede Stunde froh,
und mach' ihm keine Stunde trüb!

Und hüte deine Zunge wohl,
bald ist ein böses Wort gesagt!
O Gott, es war nicht bös gemeint -
der andre aber geht und klagt.

O lieb', solang du lieben kannst!
O lieb', solang du lieben magst!
Die Stunde kommt, die Stunde kommt,
wo du an Gräbern stehst und klagst!

Dann kniest du nieder an der Gruft
und birgst die Augen, trüb und naß,
- sie sehn den andern nimmermehr -
ins lange, feuchte Kirchhofsgras.

Und sprichst: O schau' auf mich herab,
der hier an deinem Grabe weint!
Vergib, daß ich gekränkt dich hab'!
O Gott, es war nicht bös gemeint!

Er aber sieht und hört dich nicht,
kommt nicht, daß du ihn froh umfängst;
der Mund, der oft dich küßte, spricht
nie wieder: Ich vergab dir längst!

Er tat's, vergab dir lange schon,
doch manche heiße Träne fiel
um dich und um dein herbes Wort -
doch still - er ruht, er ist am Ziel.

O lieb', solang du lieben kannst!
O lieb', solang du lieben magst!
Die Stunde kommt, die Stunde kommt,
wo du an Gräbern stehst und klagst!



(c) Ferdinand Freiligrath (1810-1876)