Den Tod fürchten die am wenigsten,
deren Leben den meisten Wert hat.
© Immanuel Kant (1724-1804)
Sieh'! Welche lachenden, lieblichen Räume!
Grünender Rasen, blühende Bäume;
jegliches Grab ein Blumenbeet.
Unten die modernden Totengrüfte,
oben die schmeichelnden Frühlingslüfte,
von dem Dufte der Rosen durchweht.
Dürfte man wohl die Verwesung schmücken,
dürfte von Gräbern man Blumen pflücken,
wenn in dem Tode nur wäre der Tod?
Aber weil in dem Tod ist das Leben,
dürfen aus Gräbern sich Blumen erheben,
wie aus Nächten das Morgenrot.
© Franz Theremin (1780-1846)
Müder Glanz der Sonne!
Blasses Himmelsblau!
Von verklung'ner Wonne
träumet still die Au.
An der letzten Rose
löset lebenssatt
sich das letzte, lose
bleiche Blumenblatt.
Goldenes Entfärben
schleicht sich durch den Hain;
auch Vergehn und Sterben
deucht mir süß zu sein.
© Karl Gerok (1815-1890)
Wenn der Herrgott eines Tages sagt: "Komm zu mir", dann bleibt einem nur das, was man im Leben verschenkt hat.
© Robert Stolz (1880-1975)
Bleibt bei dem, der euretwillen
auf die Erde niederkam,
der, um euren Schmerz zu stillen,
tausend Schmerzen auf sich nahm!
Bleibt bei dem, der einzig bleibet,
wenn auch alles untergeht,
der, wenn alles auch zerstäubet,
siegend überm Staube steht.
Alles schwindet, Herzen brechen,
denen ihr euch hier ergabt,
und der Mund hört auf zu sprechen,
der euch oft mit Trost gelabt,
und der Arm, der euch zum Stabe
und zum Schilde ward, erstarrt,
und das Auge schläft im Grabe,
das euch sorgsam einst bewahrt.
Alles stirbt; das Irdsche findet
in dem Irdischen sein Grab,
alle Lust der Welt verschwindet,
und das Herz stirbt selbst ihr ab.
Irdsches Wesen muß verwesen,
irdsche Flamme muß verglühn,
irdsche Fessel muß sich lösen,
irdsche Blüte muß verblühn.
Doch der Herr steht überm Staube
alles Irdischen und spricht:
Stütze dich auf mich und glaube,
hoffe, lieb' und fürchte nicht !
Darum bleibt bei dem, der bleibet,
und der geben kann, was bleibt,
der, wenn ihr euch ihm verschreibet,
euch ins Buch des Lebens schreibt.
© Karl Johann Philipp Spitta (1801-1859)
Ein Tropfen fällt, es klingt
das Meer nur leise,
die Stelle wird umringt
von Kreis' an Kreise.
Und weiter, immer mehr;
nun ruht es wieder.
Wo kam der Tropfen her?
Wo fiel er nieder?
Es war ein Leben nur,
und nur ein Sterben,
und kam, auch eine Spur
sich zu erwerben.
@ Wilhelm Wackernagel (1806-1869)